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Oper singen, wie eine Geigerin spielt

Sonntag, 18 Mai 2014 00:00
Tanja Ariane Baumgartner (links) mit Nina Stemme in Tristan und Isolde in der Deutschen Oper Berlin Tanja Ariane Baumgartner (links) mit Nina Stemme in Tristan und Isolde in der Deutschen Oper Berlin Bild: Bettina Stoess im Auftrag der Deutschen Oper Berlin

Die Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner hat ihr Debüt an der Deutschen Oper Berlin gleich mit einem Rollendebüt verbunden: Brangäne in Richard Wagners „Tristan und Isolde“.

Die vielseitige Sängerin war in den letzten Jahren in der Frankfurter Oper, zu dessen festem Ensemble sie seit 2009 angehört, zum Beispiel als Santuzza („Cavalleria rusticana“), Charlotte („Werther“), Fremde Fürstin („Rusalka“) und Eboli („Don Carlos“) zu hören. Internationale Verpflichtungen führten sie zu den Salzburger Festspielen, zur Oper in Straßburg und ans Royal Opera House in London. Aus Anlass des Berlin-Debüts stellte opernfan.de ein paar Fragen…! 

Willkommen in der Opernhauptstadt Berlin, liebe Frau Baumgartner! Bekommt die vielbesungene „Berliner Luft“ ihrer Stimme?

Die Berliner Luft bekommt mir immer sehr gut, ich liebe Berlin und freue mich jedes Mal, wenn ich hier sein kann.

In Ihrer Biografie fällt auf, dass sie zunächst Geige in Freiburg im Breisgau studiert haben. Dürfen wir erfahren, ob sie damals schon ahnten, dass später eine so schöne Karriere als Sängerin entstehen würde? 

Es war nicht zu ahnen! Die Stimme war da, aber bei meinem ersten Vorsingen für eine Gesangsprofessorin sagte sie mir, ich hätte eine nette Stimme, aber nicht unbedingt die Persönlichkeit, Sängerin zu werden. Mir war allerdings klar, dass da was ist, was raus und gelebt werden muss. Die Geige war einfach das falsche Instrument, denn ich konnte mich damit nicht so ausdrücken, wie ich es jetzt mit der Stimme kann. Anfangs wollte ich nur singen und habe nicht an eine Karriere gedacht. 

Konnten Sie Anfang der Neunzigerjahre den Berliner Generalmusikdirektor Donald Runnicles in Freiburg erleben, der ja dort dem Philharmonischen Orchester vorstand? Er leitet ja jetzt die Aufführungen von „Tristan und Isolde“.

Ja, ich war damals als Studentin im Freiburger Orchester. Beim ersten Vorspielen dafür war ich so nervös, dass sie mich nicht genommen haben. Beim zweiten Mal hat es dann geklappt und ich spielte in den Sinfoniekonzerten mit. Mit Donald Runnicles als Dirigent war es immer etwas Besonderes, denn er entlockte dem Orchester immer einen ganz spezifischen Klang. Ich habe damals auch eine Tournee mit der Jungen Deutschen Philharmonie und Donald Runnicles mitgemacht. Das Programm war die 6. Sinfonie von Gustav Mahler und von Charles Ives „Central Park in The Dark“. Jetzt genieße ich es, unter der Leitung von Runnicles zu singen. 

Dieses Jahr schließt sich ein weiterer Kreis: Ich trete mit einer Kammerorchesterformation der Jungen Deutschen Philharmonie bei den Young Euro Classics auf, wieder in Berlin und zwar im Admiralspalast. Natürlich dieses Mal als Sängerin!

Sie debütieren in der Deutschen Oper Berlin mit der Brangäne, der Vertrauten von Isolde. Wo liegen bei dieser Rolle die besonderen Herausforderungen?

Erst einmal ist Wagner generell unglaublich komplex und so dauert es lange, bis sich eine Partie harmonisch erschließt. Ich muss für eine gute Gestaltung aber genau fühlen, wohin die Musik geht. Zudem liegt Brangäne sehr hoch, es gibt nicht viele Spitzentöne, aber die Tessitur ist insgesamt eher „sopranig“. Der 1. Akt ist satt und man hat sehr viel zu tun, im 2. Akt liegt das Anfangsduett viel stärker in der Mezzolage. Dann kommen aber die "Wachrufe", die mit zum Schwersten gehören, da sie sich permanent im Passaggio bewegen, lange Linien im Piano und eine sehr spezielle Instrumentation haben. Das ist eine ganz spezielle, wunderschöne aber auch sehr schwere Stelle.
Darstellerisch ist Brangäne reizvoll, da sie sehr viel auf der Bühne ist. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass sie ein Schatten von Isolde ist und sehr viel reagiert anstatt aktiv agieren zu können. Man hört ja sehr viel zu, wenn Isolde die ganze „Erzählung“ singt. Trotzdem ist Brangäne eine eigenständige Persönlichkeit und ihr Gefühlsleben auf der Bühne plausibel zu machen, ist eine schöne Herausforderung

Gibt es denn Parallelen zwischen der Art, eine lange Phrase mit der Geige zu spielen und der Art, wie eine Gesangslinie zu gestalten ist?

Absolut! Ich phrasiere sehr oft wie eine Geigerin und versuche auch erst mal die reine Musik zu verstehen, um anschließend mit dem Text zu arbeiten, der ja in der Oper genauso wichtig ist. Meine langen Jahre als Geigerin haben mir außerdem gezeigt, dass ein bestimmter Ton in einer bestimmten Harmonik, der etwas höher oder tiefer intoniert ist, einen anderen Ausdruck ergibt.

Sie haben im Wagnerjahr 2013, das ja auch ein Verdijahr war, auch die Eboli in Verdi’s „Don Carlos“ gesungen. Wie unterscheiden sich die Rollen für Mezzosopran bei Wagner und Verdi?

Generell ein bisschen wie Sprint und Langstreckenlauf. Bei Verdi braucht es sehr viel Volumen und unglaublich sichere und gute Spitzentöne, man hat weniger Zeit und muss sofort auf dem Punkt sein. Wagner verlangt mehr Stamina, es dauert sehr viel länger, man hat oft viel längere Pausen zwischen den Auftritten und muss sich sogar jedes Mal neu einsingen.

In früheren Jahren nannte Edita Gruberova stets die “Norma” als eine ihrer möglichen späten Rollen. Was haben Sie noch vor, was möchten sie sehr gerne mal singen?

Bei Verdi wieder Amneris („Aida“) und ein Debüt von Azucena im „Maskenball“ wäre nach meinem Geschmack. Bei Wagner ist sicher einmal Kundry dran und sonst gibt es im französischen Fach noch einiges zu entdecken.

Welche Faktoren bestimmen denn die Wahl ihres Repertoires?

Natürlich muss eine Rolle primär zu meiner Stimme passen. Ich habe einen sehr großen Stimmumfang, so dass vieles möglich ist. Am meisten reizen mich natürlich auch die Partien, bei denen die ganze Stimme eingesetzt werden kann. Und dann versuche ich zu sehen, ob ich die Partie seelisch und körperlich begreifen kann. Mein Kollege Johannes Martin Kraenzel sagte einmal ganz klug, dass man nichts singen solle, für das man seelisch nicht reif sei. Es ist essentiell, wirklich die Reife einer Rolle verinnerlichen zu können, denn sonst kann man ihr nie ganz gerecht werden, selbst wenn man sie stimmlich singen kann.

Vielen Dank und alles Gute!

Interview: Alexander Hildebrand, Redaktion opernfan.de

Zur Website von Tanja Ariane Baumgartner hier entlang (öffnet in neuem Browserfenster)...!  

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