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Anna Netrebko positioniert sich als Königin der Oper Empfehlung

geschrieben von  Alexander Hildebrand Sonntag, 03 September 2017 06:01

Ein Höhepunkt des Berliner Open-Air-Sommers 2017 war ein Konzert der Sopranistin Anna Netrebko und des Tenors Yusif Eyvazov...

Die Waldbühne Berlin ist ein legendärer Ort. Die Fans der Rolling Stones benahmen sich nach einem Konzert 1965 gründlich daneben. David Bowie gab 1983 eines seiner berühmten The Serious Moonlight-Konzerte. Luciano Pavarotti sang hier 2006 und Anna Netrebko zum ersten Mal 2004. Jetzt war es wieder soweit. Nur wenige Wochen nach ihrem umjubelten Rollendebut in Aida bei den Salzburger Festspielen gab die russische Sopranistin gemeinsam mit dem Tenor Yusif Eyvazov, ihrem Ehemann, ein Konzert auf einer der schönsten Open-Air-Bühnen Deutschlands. Das Ungarische Staatsopernorchester spielte unter der musikalischen Leitung von Michelangelo Mazza. 

Kurz gesagt blieben an diesem Abend keine Wünsche offen. Die Beleuchtung (anfangs besonders optimiert im ZDF-Orange für die entsprechende Fernsehaufzeichnung), der opulente Bühnenaufbau, das gut aufgelegte, große Orchester und dann natürlich die beiden Stars. Der erste durchgängig dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi gewidmete Teil startete mit der elegant und ausdrucksstark musizierten Ouvertüre von Nabucco. Anna Netrebko gestaltete anschließend die große Szene und Arie der Lady Macbeth aus Verdis Macbeth mit der gewohnten Dramatik. Sie hat unterdessen in den gestalterischen Möglichkeiten eine fast schon monumentale Ausdruckskraft erreicht, wodurch die geforderten stimmlichen Farbwechsel und das Hin und Her von Verzweiflung und Hass in der Arie der Lady Macbeth besonders gut zum Ausdruck kommen. Yusif Eyvazov feierte in diesem Sommer  ebenfalls bei den Salzburger Festspielen in Aida einige Erfolge. So gelingt ihm auch beim Waldbühnenkonzert ein tolles "Di quelle pira" aus Il Trovatore, obwohl nicht ganz klar zu hören ist, ob sein etwas greller Klang von seiner Tongebung herrührt oder ein Problem des Toningenieurs ist. Natürlich ist die Musik den ganzen Abend über elektronisch verstärkt. Wenigstens war der anfängliche Klang der Marke "Transistorradio" bei den Geigen schnell richtig geregelt. 

Der Gefangenenchor aus "Nabucco" kam etwas dürftig daher, ist aber mit rund 35 Sängerinnen und Sängern auch kaum effektvoll zu gestalten. Zum Abschluss des ersten Teils triumphierten schließlich die beiden Solisten getrennt und gemeinsam mit Arien und dem großen Duett aus Aida

Es war ein stimmungsvoller Abend in der Berliner Waldbühne. Und das Wetter hat gehalten! Credit © DAVIDS

Es war ein stimmungsvoller Abend in der Berliner Waldbühne. Und das Wetter hat gehalten! Credit © DAVIDS

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. Credit © DAVIDS

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. Credit © DAVIDS

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov während der Zugabe. Credit © DAVIDS

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov während der Zugabe. Credit © DAVIDS

Am Ende hielt es die Zuschauer wie bei einem Rockkonzert nicht mehr auf den Stühlen. Die Opernfans strömten nach vorne an die Bühne...!  Credit © DAVIDS

Am Ende hielt es die Zuschauer wie bei einem Rockkonzert nicht mehr auf den Stühlen. Die Opernfans strömten nach vorne an die Bühne...! Credit © DAVIDS


Die Überschrift des Artikels spricht nun von der "Königin der Oper". Ja, Anna Netrebko hat sich vor allem bei der Arie "Popolo di Pechino!" aus Turandot von Giacomo Puccini eindrucksvoll inszenieren lassen. Mit Königinnenkrone, edlem Samtgewand und aus der Mitte der großen Zuschauerarena sang sie das berühmte Puccini-Stück. Die Entfernung zwischen Sopranistin und Orchester lag sicherlich bei 80 Metern. Eine gut ausgewählte Übertragungstechnik unterstützte Anna Netrebko hier gut, wobei sie für kurze Momente auch "in echt" zu hören war, da sie manchmal etwas zu früh einsetzte oder der Klang des Orchesters länger zum Ohr des Autors brauchte, als der Originalton der Sängerin. So entstand auch der Wunsch, dass sie wenigstens ein Stück oder eine Zugabe ohne ZDF-Übertragungswagen und ohne Verstärkung hätte zu Gehör bringen können... Aber dafür war das Risiko vermutlich zu groß. 

Es folgten noch geschmackvoll ausgesuchte Puccini Arien für sie ("O mio babbino caro" aus Gianni Schicchi) und für ihn ("E lucevan le stelle" aus Tosca sowie das etwas zu berühmte "Nessun dorma" aus Turandot). Unterstützt wurden die berühmten Stars vom Bariton  Noel Bouley (mit edlem Timbre) und von der Mezzosopranistin Jana Kurucová, beide Ensemblemitglieder der Deutschen Oper Berlin. Der Abend war schließlich auch als Werbeveranstaltung für das neue Album "Romanza" von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov gedacht. Charmant anmoderiert von ihr, waren drei der Lieder an diesem Abend erstmals öffentlich zu hören. Nach den eingängigen und erstklassig musizierten italienischen Arien hatten es die drei romantischen "Songs" aber schwer, Eindruck zu hinterlassen. Wie erwartet war der Rausschmeißer des eindrücklichen Abends  "Libiamo ne' lieti calici" aus La Traviata von Giuseppe Verdi. 

Konzert am 31. August 2017.
Waldbühne
Berlin, Deutschland

Anna Netrebko, Sopran
Yusif Eyvazov, Tenor
Das Ungarische Staatsopernorchester
Neuer Kammerchor Potsdam

Dirigent: Michelangelo Mazza

Das Konzert dauerte mit Pause etwa 2,5 Stunden.  

Es wurde vom ZDF aufgezeichnet und wird / wurde am 10. September 2017  abends gesendet.

Die Berichterstattung von opernfan.de wurde vom Konzertveranstalter unterstützt. 
Für die Fotos sagen wir "Credit © DAVIDS" und herzlichen Dank! 

Letzte Änderung am Montag, 04 September 2017 21:22

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