Personifizierte Todsünden im Stil des Steampunk in einem Berliner Don Giovanni

geschrieben von  Alexander Hildebrand Samstag, 14 Oktober 2017 22:32

In einer Nische tummelt sich das professionelle Ensemble von "The Berlin Opera Group". Ihre neue Produktion von Mozarts Don Giovanni ist im Pfefferberg-Theater zu sehen. 

New York hat Stücke, die “Off-Broadway“ laufen, Edinburgh hat auch noch das als Alternative zu seinem berühmten Festival gestartete „The Fringe“, „Der Rand“. Wenn man in Berlin genau hinschaut, gibt’s auch in Berlin neben den drei mit öffentlichen Geldern reich gesegneten Opernhäusern hochinteressante Aufführungen. So gelang quasi in einer Kulturnische der „The Berlin Opera Group“ eine pfiffige Inszenierung von Mozarts Casanova-Oper „Don Giovanni“. Mitgründerin Kelsey Boesche führte Regie und war gleichzeitig eine Donna Elvira in der doppelt besetzten Inszenierung. Opernfan.de besuchte die Aufführung am Samstagnachmittag, die von der Besetzung gesungen wurde, die auch auf den Fotos zu sehen ist.

Ums kurz zu machen: Diese Don Giovanni-Aufführung ist genauso ideenreich, durchdacht und witzig wie die drei Inszenierungen, die derzeit in den großen Berliner Opernhäusern laufen. Kelsey Boesche erklärt im Programmheft, dass die Sieben Todsünden die Inspiration für diese Inszenierung waren: Für die Bereicherung der Szene sind sie gleich alle als Chorsänger auf der Bühne: Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wolllust, Völlerei und Trägheit. Die im Stil des „Steampunk“, einer literarischen Strömung mit Wurzeln in den 1980ern gestalteten Kostüme mit vielen Korsagen, Lederschuhen, Stickereien und schwarzen Hemden, unterstreichen durchgängig das Gruftige und Morbide der farbenfroh und stimmungsvoll ausgeleuchteten Bühnenshow.