"Orfeo ed Euridice" ist ein Sängerfest mit Wow-Effekt

  Donnerstag, 17 März 2016 22:33

Jürgen Flimm (Regie) und Daniel Barenboim (musikalische Leitung) gelingt eine interessante Neuinszenierung in der Berliner Staatsoper. 

Das mediale Vorgeplänkel „Das sind Szenen einer Ehe“ (Regisseur Jürgen Flimm in der Berliner Morgenpost) und die fast schon als verschwörerische Verbindung angekündigte Tätigkeit des Trios Barenboim (Musik), Flimm und Frank O. Gehry (Bühne) ließen die Erwartungen in die Höhe schießen. Dazu ist noch Bejun Mehta, der gefeierte Orfeo des Abends, schon im ersten Satz seiner Programmheft-Biografie als „wahrscheinlich der beste Countertenor der Welt“ (Süddeutsche Zeitung) bezeichnet. In der heutigen Zeit sind dann auch zwei Jahrzehnte mit jährlichen Festtagen keine Selbstverständlichkeit mehr, also gibt es an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin in diesem März etwas zu feiern. Tatsächlich sind Musik und Inszenierung dieser Aufführung von Glucks „Reformoper“ aus dem Jahre 1762 mehr als gelungen. Ein großartiger Eröffnungsabend der Berliner Festtage.

Bereits die erste Szene bringt einen Wow-Effekt! Orfeo (ausdrucksstark: Bejun Mehta) fährt seine verstorbene Frau Euridice auf einer metallenen Trage über die Bühne. Dazu ertönt diese sehr traurige, aber wunderschöne Musik der Ouvertüre. In einer Art dunklem Hinterhof brennen die Flammen eines Krematoriums. Amor (Nadine Sierra, sie hat die schlichtweg „schönste“ Stimme des Abends) schlägt Orfeo den Handel vor, dass wenn er auch in der Unterwelt so schön sänge, bekäme er seine geliebte Frau lebend zurück. Er dürfe nur Euridice nicht anschauen, erklärt Amor.

Orfeo willigt ein. Tatsächlich gelingt Countertenor Mehta als Orfeo ein extrem ausdrucksstarker erster Akt. Mit seiner vielseitigen Stimme pendelt er zwischen ängstlichem Zögern im Piano und großer Verzweiflung im Mezzoforte. Als besonders wohlklingend fällt seine Mittellage auf, die von einem markanten, kernigen Klanganteil dominiert ist. Dadurch hat seine Stimme eine große Wärme und ist schließlich auch unverwechselbar.

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Bejun Mehta (Orfeo). Fotos © Matthias Baus
Ensemble. Fotos © Matthias Baus
Nadine Sierra (Amor) und Bejun Mehta (Orfeo). Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo) mit Tänzern. Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo) mit Tänzern. Fotos © Matthias Baus
Mittig: Nadine Sierra (Amor), Bejun Mehta (Orfeo). Fotos © Matthias Baus
Nadine Sierra (Amor) und Bejun Mehta (Orfeo). Fotos © Matthias Baus
Nadine Sierra (Amor) und Bejun Mehta (Orfeo). Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo) und Anna Prohaska (Euridice). Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo) und Anna Prohaska (Euridice) . Fotos © Matthias Baus
Vorne: Anna Prohaska (Euridice), Hinten: Bejun Mehta (Orfeo) . Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo), Anna Prohaska (Euridice) und Nadine Sierra (Amor). Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo) und Anna Prohaska (Euridice). Fotos © Matthias Baus
Mittig: Bejun Mehta (Orfeo) . Fotos © Matthias Baus
Ensemble. Fotos © Matthias Baus
Bejun Mehta (Orfeo), Anna Prohaska (Euridice) und Nadine Sierra (Amor). Fotos © Matthias Baus

Bildergalerie zu »Orfeo ed Euridice« in der Berliner Staatsoper unter den Linden

 Orfeo gelingt es, die Unterwelt zu durchschreiten und Euridice wiederzufinden. Das Bühnenbild dazu wird von lebhaft ineinander gebautem Holz dominiert, was die Schönheit des Elysiums darzustellen scheint. Wir hatten zuletzt die Stiftung Louis Vuitton in Paris besucht und hatten verstanden, dass Gehry keine rechten Winkel und keine langen Geraden mag! Sein Bühnenbild ist zweckmäßig, denn gerade der Chor ist im zweiten Akt darauf schön verteilt und ausgesprochen gut zu hören. Dennoch wirkt das bunte Holz etwas beliebig, fast jede Oper könnte in dort spielen.

Orfeo fordert schließlich im dritten Akt Euridice auf, mit ihm die Unterwelt zu verlassen und seinen Anweisungen zu folgen. Der Wechsel von unten nach oben ist in der neuen Inszenierung einfallsreich über eine Drehung der Bühne gelöst. Auf der Rückseite des bunten Holzgebildes der „Insel der Seligen“ ist ein einfaches bürgerliches Schlafzimmer aufgebaut, in dem schließlich die angekündigten „Szenen einer Ehe“ spielen. Es ist der große Moment der beliebten Sängerdarstellerin Anna Proshaska. Die junge Sängerin überzeugt als enttäuschte Liebende, sie versteht nicht, warum Orfeo sie nicht ansieht! Gerade der Ausdruck der großen Verzweiflung gelingt Prohaska in jedem Ton und in jeder Geste.

Schließlich gibt Orfeo nach und als er sie ansieht, stirbt Euridice zum zweiten Mal. Orfeo beschließt, sich mit einer Pistole umzubringen, aber Amor kommt und ruft Euridice als Belohnung für die Treue von Orfeo ins Leben zurück.

Daniel Barenboim und die geschätzten Musiker der Staatskapelle Berlin bewegen sich elegant zwischen dunklen Stimmungen und klaren, hellen Klangfarben, die der Maestro ihnen mit weiten Gesten entlockt.

Die Neuinszenierung von Orfeo und Euridice befördert also die Geschichte des traurigen Sängers elegant ins Jetzt. Sie findet vor allem im dritten Akt zahlreiche neue Aspekte der vielschichtigen Handlung.

ORFEO ED EURIDICE (Azione teatrale per musica)

Text von Ranieri de’ Calzabigi

Musik von Christoph Willibald Gluck

Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Jürgen Flimm
Bühnenbild in Kooperation mit Gehry Partners, LLP
Kostüm: Florence von Gerkan
Choreographie: Gail Skrela
Licht: Olaf Freese
Chöre: Martin Wright
Dramaturgie: Roman Reeger

Die Sängerinnen und Sänger des Premierenabends

  • Orfeo: Bejun Mehta
  • Euridice: Anna Prohaska
  • Amor: Nadine Sierra
  • Jupiter: Wolfgang Stiebritz

Orchester: Staatskapelle Berlin; Staatsopernchor
Von opernfan.de besuchte Premiere am Freitag, den 18. März 2016 um 19:00 Uhr

Weitere Vorstellungen am 23. und 27. März 2016. 

Bitte beachten Sie in den nächsten Spielzeiten die frühzeitigen Ankündigungen dieser Inszenierung. 

Link zur Website der Staatsoper unter den Linden

Die Theaterkasse der Staatsoper hat die Berliner Telefonnummer (030) - 20 34 45 55. 

Wenn Sie diese Website auf einem Mobiltelefon lesen, können Sie einfach hier klicken, um anzurufen: +493020354555 

Die Staatsoper unter den Linden spielt derzeit im Schillertheater in der Bismarckstraße. Die Haltestelle für die Anfahrt mit der U-Bahn heißt Ernst-Reuter-Platz. 

Gelesen 7682 mal Letzte Änderung am Samstag, 28 Mai 2016 16:20

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